Create an account


Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Knaller wie bei Mutti in der DDR

#1
Hey liebe Pyros,

hallo und herzlich willkommen zu meiner ersten...villt doch etwas auschweifenden...Fragerunde.

Der Verfall unserer innerdeutschen Schallerzeugerqualität fällt mir schon seit vielen Jahren sehr negativ auf.

Hat jemand heute mal ein Packet "Reibkopfknaller nach Harzerart" in der Hand gehabt? Ich vermute stark, das ist in Wahrheit gereifter Harzerkäse welcher beim Aufprall nur durch Gärgase zerrissen wird, dazu gibts dann ein Vorbrenner aus Streichholzrestmasse.

Ein trauer Spiel die Pfauwerke würden sich im Grabe drehen.

Nun zur eigentlichen Frage:

Meines bescheidenen Wissens nach verwendeten die Knallerfrauen damals je nach Verfügbarkeit ein BKS aus Al/KNO3 oder AL/KNO3/S. Das Al von damals musste mit Borsäure bei der Verarbeitung versetzt werden (ca. 1-2%) um zu verhindern, dass die Mumpe zusammen exotherm wird.

Nehmen wir an jemand hätte sich heute nochmal oben genannte Zutaten besorgt um seinen unbändigen Spieltrieb nochmal zu befriedigen. Und nehmen wir auch an derjenige hätte dieses "indian dark flake" dafür bestellt.

Ist es bei solchen modernen Pulvern immernoch nötig Borsäure zu zusetzen damit die Gartenlaube stehen bleibt oder ist genau dieser Arbeitsschritt unter "Zusatz von Graphit und Fettsäuren" zu verbuchen?

Nächste Frage:

Klebt ihr Plastikstopfen (LEDP...oder so) mit Sekundenkleber ein oder mit Heißkleber?

Und die Zusatzrunde:
Das Salz und den S würde derjenige zusammen in einer Kugelmühle vermahlen und nach dem Mahlvorgang das Al außerhalb der Kugelmühle dazu geben.

Nur ist er sich nicht sicher ob es die bessere Methode ist das Salz/S und das Al zusammen durch eine 100% Baumwolle Damenstrumpfhose zu sieben oder ob man nicht einfach zum Mischen Salz/S und Al in die Kugelmühle ohne Kugeln geben kann also so das sich die Mühle einfach nur 5 min oder so dreht (Antrieb über eine etwas modifizierte Küchenrühermaschine) ohne die Kugeln.

Das sollte doch den selben Effekt wie leichtes schwenken haben oder?
Was meint ihr dazu?
Zitieren

#2
Wenn die besagte Person die Knaller gleich "verballern" will muss nicht unbeding Borsäure hinzugefügt werden, nur eben wenn diese Person die Knaller länger lagern will, mir ist aber noch kein Fall bekannt das sich ein Nitrat/Alu bzw. Mg BKS von selbst entzündet hat.

Kunsstoffstopfen werden bei uns meist mit Heisskleber in die Hülse geklebt und versiegelt, was aber bei schnellen BKS Mischungen nicht wirklich nötig ist. Der Kleber dient bei solchen Krachern eher als Versiegelung damit sie auch richtig luftdicht sind.

Alle Blitzknallsatzmischungen sind recht empfindlich, manche mehr, manche weniger, deshalb alles schön einzeln getrennt mahlen und mit der Diaper-Methode mischen, das reicht normalerweise aus und ist zudem die sicherste Methode.



Mfg,Messerschmitt
Einigkeit und Recht und Freiheit
Zitieren

#3
Hi,

" Verfall unserer innerdeutschen Schallerzeugerqualität fällt mir schon seit vielen Jahren sehr negativ auf "

nicht nur dir, das "schlimme" ist, da ist immer noch der selbe Satz drin, hundsmiserables Schwarzpulver welches wohl NIE eine Kugelmühle gesehen hat.
Wahrscheinlich inzwischen etwas weniger aber eigentlich wurden die immer mieser weil selbst an der Papierhülle gespart wird.

Ich habe die "original" Harzer noch abgebrannt, habe auch noch welche da, leider kann man aus der Erinnerung heraus nicht sagen wie stark die wirklich waren aber die zwei kleinsten Typen von tcheschischen Reibkopfknallern gehen wohl in die Richtung.

Aus dem was ich gelesen habe wurde in der DDR aber Magnesium/BAriumnitrat als BKS verwendet, die Quelle habe ich nicht parat aber im Feuerwerkerei Forum hat man viele pyrotechn. Artikel seziert, geröntgt, etc. auch die aus der DDR und von der NVA!

" Diaper-Methode mischen"

Das mit dem Papier ist für vorgesiebte Substanzen wohl das besste, um sicher zu gehen schütte ich die Zutaten zusammen durch ein feines Drahtsieb.

" Salz/S"

Nie Oxidationsmmiteln zusammen mit Reduktionsmitteln mahlen, am besten für jede der beiden Substanzgruppen eine eigene Mahltrommel, eigene Mahlkugeln haben.

Wenn das BKS gut genug ist, das ist es mit 5µm Al, brauscht du den Stopfen eigentl. nicht einkleben, manchmal braucht es nichtmal nen Stopfen.

Grüße!
Zitieren

#4
https://www.youtube.com/watch?v=ZdX74IZbYgI
Zitat:Nächste Frage:

Klebt ihr Plastikstopfen (LEDP...oder so) mit Sekundenkleber ein oder mit Heißkleber?
Was die Stopfen angeht:
Das I-Tüpfelchen wäre natürlich ein "Vorbrenner" aus Glühsatz, der hinter der Flammfront einen Stopfen erzeugt.


Was mich gerade umtreibt:
Es gibt bei YT Videos, wo Leute altes Originalmaterial verballern.
Angenommen, da wäre Nitrat BKS drin. Insbesondere bei Mg, aber auch be Al würde ich annehmen, das die Metalle mit der Zeit angegriffen und unreaktiv werden.
Magnesiumpulver an sich oxidiert ja schon wie blöde. Mit Nitrat...?

Und Dichromat hilft NICHT gegen Nitratbedingte Korrosion...

Wenn da nun Perchlorat/Alu drin wäre, OK, das ist praktisch unendlich Lagerbar, aber da es nun Nitrat sein soll - Hmmm...
Zitieren

#5
https://www.youtube.com/watch?v=1t5n4uLdYcA

Wirklich schöne Doku aber einem blutet auch das Herz wenn man das sieht.


Das mit dem Nitrat-BKS hab ich mal in einer Unterhaltung mit einem alten Großfeuerwerker aus der DDR gehört.

Vielleicht bezog sich das auf die Zerleger von Kugelbomben oder so?

KCLO4 wäre glaube ich zu aufwendig/teuer gewesen um es in Knaller zu packen...glaube ich.

Villt hat sich auch der Satz ab und an mal verändert? Je nach dem was gerade so verfügbar war? Wäre ja nicht der erste Industriezweig gewesen der otgedrungen improvisieren musste.

Wie war denn die Verfügbarkeit von Mg in der DDR? Ich erinnere mich da an "Elektron" (90Mg/10Al) als superleicht Rahmen für Fahrräder...aber denkste das konnte man kaufen?

Weiß nicht aber jetzt wo ich so drüber nachdenke...

Eine Arbeitsweise ala:

Hier hast du einen LKW voll Aluschliff und noch einen mit dem Restdünger der Session machst wat schönes draus.

Scheint mir schon recht realistisch zu sein.

Zudem waren die Pfauwerke bis in die späten 70er eine Privatshow...die standen also was die Produktionsmittellieferungen angeht sowieso erstmal hinten an.

Zur Diaper-Methode...fein gemahlen und gesiebt reicht das ja? Das sah immer so aus als würde sich das gleich wieder entmischen.

Achso und "indian dark flake" hat meines Wissens nach 9µm trotzdem wird es hoch gelobt und es hieß es sei Verarbeitungssicherer.

Eigentlich wollte ich das "blue Alu" nutzen aber da hieß es das sei nicht reaktiv genug.

Mg möchte ich eigentlich extra nicht nutzen...man muss ja nicht gleich mit zu hohen risiken einsteigen.

Was habt ihr für Erfahrungen mit dem "indian dark flake".?

Danke für die vielen spannenden und anregenden Antworten.
Zitieren

#6
Hi,

tjaaa, was die Treuhand nicht geschafft hat das haben Bundesdeutsche Gesetze erledigt:

https://www.youtube.com/watch?v=ZdX74IZbYgI

Zerlger für Kugeln werden eigentlich nicht mit BKS gemacht, wenn dann nur bei kleineren, und oder als Zuschlag zu dem eher gebräuchlichen gepulverten Reisspelzen.

Das BKS ist für die Zwecke viel zu stark, außerdem unerwünscht hell.

Braucht man schärfere Zerleger wird z.Bsp. etwas Whistle Mix zugestreut...auch da eher bei kleineren Kalibern, die großen machens mit Reisspelzen-Sp.

" Das sah immer so aus als würde sich das gleich wieder entmischen. "

Naja, was willst du denn gegen das Entmischen tun? Selbst mit gleichgroßen/kleinen Teilchen wirst du das nicht vollständig verhindern können, einfach durch die untersch. Dichte und pressen sollte man BKS in Hülsen ja eher nicht.

" Achso und "indian dark flake" hat meines Wissens nach 9µm trotzdem wird es hoch gelobt und es hieß es sei Verarbeitungssicherer.

Eigentlich wollte ich das "blue Alu" nutzen aber da hieß es das sei nicht reaktiv genug "

Mal ehrlich, ob die Teilchen nur 5...7..oder 9µm sind, das ist relativ egal, hauptsache es sind flakes, nicht 100 Jahre alt und nicht phlegmatisiert.

Übriges, rein Interessehalber: ich habe mal von einer von den Italienern im ersten WK verwendeten Handgranate gelesen die als Satz ein AL-basierendes BKS hatte!

" KCLO4 wäre glaube ich zu aufwendig/teuer gewesen um es in Knaller zu packen...glaube ich. "

Keine Ahnung was großindustriell in der DDR teurer wahr, Nitrate aus Luft und Energie oder Chlorverbindungen aus Salz und Energie.

Meine Aussage mit dem BaNO3/Mg ist nicht als definitiv anzusehen, es ist nur das was ich mal gelesen habe, ob das für alle Zeiten und für alle Artikel galt-weiß ich nicht!

 "Elektron" (90Mg/10Al) als superleicht Rahmen für Fahrräder.. "

Hehe, Elektron aus der MZ-ES war meine erste MG Quelle und ich habe auch noch einige Scherben da...das war das Gussteil über dem Hinterrad, einige Kilos!


Grüße!
Zitieren



Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen:
1 Gast/Gäste

Forum software by © MyBB Theme © iAndrew 2016